Wie geht Frieden?

Erster Fachtag Friedensbildung für Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen am 4. März 2017

Ort: 

  • Halle (Saale)

Datum: 

04.03.2017

Friedensbildung heißt, Gewalt überwinden lernen. Und mit Gewalt sind wir täglich konfrontiert – zum einen im Nahraum und in pädagogischen Einrichtungen (Streit, Diskriminierung, Mobbing). Zum anderen auf der Makroebene: Kriege und internationale Konflikte sind an der Tagesordnung, Flüchtlingsbewegungen, Klimawandel, soziale Spaltung und Terrorgefahr stellen auch unsere Gesellschaft vor Herausforderungen. Friedensbildung denkt diese Ebenen zusammen und hat zum Anspruch, Menschen handlungsfähig zu machen, um die Probleme unserer Zeit lösen zu können. Sie beschäftigt sich deswegen besonders mit den Themen Gewalt und Gewaltfreiheit, Konflikte und ihre konstruktive Bearbeitung, Diskriminierung und Gerechtigkeit.

Friedensbildung hat in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung und inhaltlich-methodische Weiterentwicklungen erlebt. Mit dem Fachtag wird dieses dynamische Feld interessierten Lehrkräften und Multiplikator_innen vorgestellt.
Zentrale Fragen sind dabei:

  • Was ist Friedensbildung? Was kann sie leisten?
  • Welche konkreten Angebote, Inhalte und Methoden gibt es schon?
  • Wie muss sich Friedensbildung angesichts aktueller Herausforderungen weiter entwickeln?

Veranstaltet wird der Fachtag vom Netzwerk Friedensbildung Mitteldeutschland – einem Zusammenschluss von Bildungsakteuren, die zivile Friedensbildung an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen stärken möchten. Wir freuen uns auf Sie!

 

Ablauf:

10.00 Uhr      Begrüßung und Grußworte
10.30 Uhr Vortrag „Friedenserziehung in Deutschland heute“
von Prof. Dr. Angela Mickley (Hochschullehrerin für Friedenserziehung, Konfliktbearbeitung/Mediation und Ökologie;
Sie forscht zu politischer Gewalt und Konflikten und wirkt mit an Kriseninterventionskonzepten für Zivilgesellschaft, Polizei und Militär)
11.15 Uhr Pause und „Markt der Möglichkeiten“
11.30 Uhr Workshops 1, 2, 3, 4
13.00 Uhr Mittagspause und „Markt der Möglichkeiten“
14.00 Uhr  Workshops 5, 6, 7, 8
15.30 Uhr Zusammenführung und Ausblick
mit live-sketching (Echtzeit-Bebilderung der Ergebnisse)
16.00 Uhr Ende

 

Workshops:

1.     Wie geht eigentlich Friedensbildung? – Methoden für die Praxis
In diesem Workshop erproben und vermitteln wir konkrete friedenspädagogische Handlungsansätze, Inhalte und Methoden für die Arbeit mit Jugendlichen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen Konflikt(bearbeitung), Gewalt, Vielfalt und Werte. Dabei schaffen wir durch erlebnisorientierte und reflexive Übungen die Verbindung zwischen der individuellen Perspektive, den eigenen Erfahrungen und einem globalen, politischen Blick auf Friedensbildungsprozesse.
Das gemeinsame Austesten verschiedener Werkzeuge befähigt die Teilnehmenden zur direkten Anwendung in der Arbeitspraxis.
(Franziska Blath, Friedenskreis Halle e.V.)

2.     Gewaltfreie Kommunikation in der Schule nach Marshall Rosenberg*
“In dem Moment, wo man Menschen dazu bringen kann, darüber zu reden, was sie möchten, anstatt darüber, was mit der anderen Person nicht stimmt, sieht man sofort eine Möglichkeit für den Beginn einer Lösung.” M. Rosenberg
Gewaltfreie Kommunikation ist heute eine gefragte soziale Kompetenz, um selbstbestimmt und wirksam zu handeln. Sie ist dabei mehr als nur reden können, sie ist soziales Handeln. Zur Gewaltfreien Kommunikation gehören die Fähigkeiten zum Aktiven Zuhören, zur Empathie und zu einer aktiven Unterstützungskultur.
Schwerpunkte im Workshop: eigene Sprachmuster erkennen und eigene Anliegen klar ausdrücken.
(Marion Müller, Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation)

3.     Fluchtursachen: Erfahrungen mit Tandemworkshops zu Flucht und Asyl in der Schule
Seit letztem Jahr führt der Weltladen Magdeburg teilweise in Kooperation mit dem Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt Projekttage und Bildungseinheiten im Themenfeld „Migration-Flucht-Asyl“ durch. Im Trainertandem ist grundsätzlich ein Mensch mit eigener Fluchterfahrung vertreten. Durch eine Schulung konnten wir LehrerInnen und MultiplikatorInnen entsprechend methodisch und inhaltlich vorbereiten.
Im Workshop werden wir Ansätze und Methoden anreißen sowie unsere Ergebnisse und Erfahrungen in verschiedenen Schulen kurz darstellen. Gemeinsam wollen wir Fallstricke, Grenzen und Chancen dieses Bildungsangebotes sowie Schritte zur stärkeren Verbreitung in verschiedenen Kontexten diskutieren und thematische Vernetzung ermöglichen.
(Hafez Kader Omar und Konstantin Müller, Bildungsreferent beim Weltladen Magdeburg)

4.     Werkstatt Friedensbildung
An den Auftaktvortrag anschließend geht es in diesem Workshop darum, wie sich Friedensbildung weiter entwickeln muss. Was bedeutet der Zustand des Bildungssystems für Friedensbildung? Welche Themen und Fragestellungen sind heute und morgen relevant? Welche Methoden und Ansätze brauchen wir, um Gewalt zum Thema zu machen?
(Moderation: Sören Brenner, Schulbeauftragter der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands für die Propstei Halle-Wittenberg)

5.     Workshop mit Planspiel „Ene Mene Muh – und raus bist Du“ zum Thema Flucht und Asyl*
Der Workshop beschäftigt sich mit Themen rund um Flucht und Asyl in Deutschland. Von Fluchtgründen, und –Wegen über die Ankunft in Deutschland bis hin zu einer Entscheidung über den Asylantrag und deren Folgen wenden wir uns inhaltlich einzelnen Geschichten aber auch systemischen Voraussetzungen zu.
Das Planspiel macht Alltagssituationen von Geflüchteten erfahrbar. An die lokalen Gegebenheiten in Halle (Saale) angelehnte Stationen von Ausländerbehörde bis Zahnklinik werden durchlaufen um anschließend die gewonnenen Eindrücke gemeinsam auszuwerten und auszutauschen.
Ziel ist es einerseits zu informieren und zu entdecken, aber auch die Teilnehmer*innen für die Situation von Asylsuchenden zu sensibilisieren.
(Julia Wenger, Mitentwicklerin des Planspieles)

6.     Waffenexporte
Deutschland ist eines der Länder, die die meisten Rüstungsgüter in alle Welt exportieren. In der öffentlichen Debatte tauchen Fälle auf wie der Verkauf von Maschinengewehren nach Mexiko oder Panzerexporte nach Saudi-Arabien und Katar. Die Einen sehen die Verkäufe als legitim an - Andere sind angesichts von Menschenrechtsverletzungen empört.
In diesem Workshop wird ein Unterrichtskonzept vorgestellt, das mit interaktiver Methodik den Einstieg in die Thematik ermöglicht: Welche Waffen werden wohin exportiert? Wer entscheidet das? Welche Probleme können auftreten - und was kann man dagegen tun?
Die Teilnehmenden erhalten damit Anregungen, wie sie selbst zu dem Thema arbeiten können.
(Markus Wutzler, Friedenskreis Halle e.V.)

7.     Civil Powker - Ein Lernspiel zu zivilem Engagement in internationalen Konflikten
Täglich berichtet die Tagesschau von Krisen, und Kriegen in der Welt. Aus einer scheinbaren Ohnmacht heraus, folgt nicht selten der Ruf nach dem „Frieden“ sichernden Militärschlag. Zivile Handlungsoptionen spielen in der öffentlichen Debatte oft keine Rolle. Hier setzt das Lernspiel „Civil Powker“ an. Ziel des eintägigen Projektes ist es, die vielen möglichen Handlungsspielräume aufzuzeigen und erfahrbar zu machen. Wir werden ihnen das Konzept von Civil Powker vorstellen, einzelne Facetten des Spiels gemeinsam erfahren und Organisatorisches besprechen. Vielleicht passt das Konzept ja auch zu ihrer Arbeit?
(Marcus Stückroth, Friedenskreis Halle e.V.)

8.     Zivil statt militärisch – Einführung in gewaltfreie Konfliktbearbeitung im Ausland
Die zivile Konfliktbearbeitung (ZKB) umfasst vielfältige Ansätze und Methoden, um den Frieden in der Welt zu fördern. Sie setzen an bei der Minderung der Gewalt in eskalierten Konflikten im Ausland, beugen ihrem Ausbruch vor oder konsolidieren den Frieden nach dem Ende bewaffneter Auseinandersetzungen.
Die Möglichkeiten und Chancen ebenso wie Grenzen und Risiken der ZKB sind kaum bekannt. Das trägt dazu bei, dass bei Krisen und Kriegen oft nur militärische Ansätze gefordert werden.
In dem Workshop werden Möglichkeiten vorgestellt, wie das Thema ZKB im Ausland ansprechend pädagogisch bearbeitet werden kann.
(Agnes Sander, Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e.V.)

(* Diese Workshops finden in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt statt.)

 

Zielgruppe: Der Fachtag richtet sich an Lehrer_innen, Sozialpädagog_innen, Studierende und alle anderen Interessierten.
Für Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt ist die Teilnahme als Forbildung vom LISA anerkannt (WT 2017-400-34).

Wann? 4. März 2017, 10-16 Uhr

Wo? in den Räumlichkeiten der Christliche Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe Halle gGmbH, Fährstraße 6, 06114 Halle (Saale)
Die Räumlichkeiten sind teilweise barrierefrei.
Anfahrt: per Tram 7/8 bis "Burg Giebichenstein"; für PKWs befinden sich Parkmöglichkeiten direkt auf dem Gelände

Kosten: 30 EUR normal, 15 EUR für Studierende
Mittagsimbiss und Unterlagen sind inklusive.

Kontakt: Friedenskreis Halle e.V.
kontakt [at] friedensbildung-mitteldeutschland.de
Tel.: 0345-279 807 20 
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Anmeldung bitte bis 25. Februar
per eMail unter Angabe folgender Daten:  

  • Namen
  • Einrichtung
  • Welche Workshops wollen Sie besuchen?
    (Erst- und Zweitwunsch jeweils für beide Workshopphasen)

Anhang: