Zweiter Fachtag Friedensbildung des Netzwerks Friedensbildung Mitteldeutschland

Ort: 

  • Christliche Akademie Halle

Datum: 

20.10.2018

Unverblümte Gewalt im pädagogischen Alltag, populistische Parolen und Menschen, mit denen man einfach nicht mehr ins Gespräch kommt – Symptome einer neuen „Spaltung der Gesellschaft“?

Friedensbildung möchte Konfliktlinien zum Thema machen und gleichzeitig gedachte Grenzen queren, verändern oder auflösen. Christine Schweitzer vom Bund für soziale Verteidigung wird über die darin liegende Potentiale und Herausforderungen sprechen. Anschließend geben vielfältige Workshops neue Impulse für die eigene Bildungsarbeit.

Der Fachtag für Friedensbildung wird am Abend des  19. 10. 2018 eingeleitet und wird am 20. 10. 2018 ganztägig fortgeführt. Im Programm werden die Themenschwerpunkte deutlich.

Programm---------------------------------------------------------------

Freitag, 19. Oktober

18:00  Ankommen und kleiner Snack

18:30  Vortrag und Gespräch -  "Internationale Perspektiven auf Friedensbildung: Ein Bericht des Fachaustauschs vom 2.-4. Oktober in Neudietendorf"

20:00  Aktivität zum Kennenlernen & Austauschen

20:30  Gemütlicher Ausklang

 

Samstag, 20. Oktober

9:00  Begrüßung und Grußworte

9:30  Vortrag & Gespräch mit Christine Schweitzer (Bund für soziale Verteidigung)

"Gräben überbrücken? Herausforderungen und Potenziale von Friedensbildung in Zeiten von gesellschaftlichen Spaltung(en)"

10:15  Pause und „Markt der Möglichkeiten“

10:30 Workshops I - Auswahl zwischen den Workshops 1-4

13:00 Mittagspause und „Markt der Möglichkeiten“

14:00 Workshops II - Auswahl zwischen den Workshops 5-8

16:30 Zusammenführung und Ausblick

17:00 Ende

 

Workshops--------------------------------------------------------------

1) Müssen wir immer mehr haben wollen? Über Wachstumskritik und die Suche nach dem ‚Guten Leben‘

Mehr Profit, mehr Anerkennung, mehr Wissen, mehr Erlebnisse. In unserer Gesellschaft scheinen wir immer mehr haben wollen zu müssen. Dieser Wachstumszwang, so die These, stellt uns nicht nur vor ökologische, sondern auch vor zwischenmenschliche und individuelle Herausforderungen. 

Zeit für eine oft vergessene Frage: Was heißt eigentlich gutes Leben – für uns persönlich und als Gesellschaft?

Eine Einführung in die Wachstumskritik, v.a. in die Kultur des Wachstumsdenkens und deren Verinnerlichung. Wir setzen uns mit dem Konzept der Resonanz (Hartmut Rosa) auseinander, gehen in praktischen Übungen auf die Suche nach dem ‚Guten Leben‘ und lernen Methoden für die Bildungsarbeit kennen.

 

2) Freiheit Aushalten - Konfliktbehandlung in Gruppen mit Elementen der Thérapie Sociale

“The truth will set you free. But not until it is finished with you” - D. F. Wallace

Freiheit ist nicht bedingungslos. Sie hat Grenzen, braucht Regeln und fordert Entscheidungen. Damit umzugehen ist oft schwerer als es zunächst scheinen mag, führt doch der Weg zur Freiheit von der subjektiven Wahrheit über die objektive Wirklichkeit und zurück.

Wir lernen Elemente der Thérapie Sociale kennen und nutzen diese für einen Erfahrungs- und Diskussionsraum über gefühlte Wahrheiten, erlebte Wirklichkeiten und die Frage, warum gerade in unserer heutigen Zeit Gruppen so stark in Konflikten verharren.

 

3) Weiterführendes Gespräch zum Einführungsvortrag

Die Thesen von Christine Schweitzer zu aktuellen Herausforderungen und Potentialen der Friedensbildung werden in diesem Workshop vertiefend mit weiterführenden Informationen diskutiert.

 

4) Heimliche Botschaften - Grundlagen zu vorurteilsbewussten Kinderbüchern

Die Frage danach, was wir Kindern durch Bücher mit auf den Weg geben und welche Gefahren und Potentiale in Kinderbüchern stecken, wurde in den vergangenen Jahren kontrovers diskutiert. Der Workshop greift diesen Diskurs auf und möchte Interessierten die Relevanz von vorurteilsbewussten und (sozial) diversen Kinderbüchern aufzeigen.

In dem Workshop werden zum Einen Grundlagen des AntiBias Ansatzes vermittelt. Zum anderen werden in dem Workshop gemeinsam (populäre) Kinderbücher diskriminierungskritisch hinterfragt. Dazu bietet der Workshop Teilnehmer*innen Zeit und Raum, sich mit einer Auswahl von vorurteilsbewussten Kinderbüchern auseinanderzusetzen und zu diskutieren.

 

5) Storytelling als Weg zur Friedensbildung

Frieden kann wachsen, wenn Menschen einander besser verstehen. Ein Weg zu tieferem Verstehen führt über persönliche und kollektive Geschichten.

Geschichten verbinden Menschen nach innen mit sich selbst und nach außen in ein soziales Feld. Geschichten öffnen uns neue Perspektiven, lassen uns anderes Wissen aufnehmen, helfen uns Werte zu klären und uns darüber auszutauschen. Sich in Geschichten zu begegnen, ist so alt die Menschheit selbst. Diese Tradition ist in allen Kulturen bekannt, auch wenn wir sie vorübergehend fast vergessen hatten.

In diesem Workshop schaffen wir einen kurzen methodischen Einstieg ins Storytelling, üben anhand aktueller Themen wie es gelingt über Geschichten die Erfahrungen der Teilnehmenden zu aktivieren und dieses offene soziale Feld mit in einer friedensbildenden Haltung zu nähren, so dass sich Erfahrenes und Entstehendes miteinander verbinden.

 

6) Theater zum Leben - Grenzen verstehen um Brücken zu bauen

Wir wollen in diesem interaktiven Workshop verschiedene Ansätze aus dem TzL ausprobieren und uns auf einen alternativen Dialog über zwischenmenschliche Grenzen einlassen. Ein Erfahrungsaustausch und die Begegnung auf theatraler Ebene stehen hierbei im Vordergrund. Jede/r kann mitmachen!     

Das Theater zum Leben, mit seinem Ursprung in Augusto Boals Theater der Unterdrückten, hat den Anspruch, ein tieferes (systemisches) Verständnis über gesellschaftliche Konfliktthemen zu schaffen.

 

7) Digitale Friedenspädagogik? Ein Austausch zur Auseinandersetzung mit Hass, Hetze& Ausgrenzung im Netz

„Hass ist keine Meinung, Hass ist ein Gefühl.“ Damit ist oft schon viel gesagt. Aber es unterschätzt die gesellschaftlichen und politischen Folgen einer hasserfüllten Polarisierung. Welche friedenspädagogischen Ziele stellen wir dem gegenüber? Wie wollen wir durch digitale Zivilcourage die netzaktive Gesellschaft mitgestalten? Soll sich digitale Friedenspädagogik vor allem durch Aufklärung und Information definieren oder auch durch die aktive Gestaltung des „Lernraumes Netz“? Kurz: wie kann eine digitale Friedenspädagogik aussehen?

In diesem Fachgespräch wollen wir uns mit friedenspädagogisch Interessierten über unsere Zugänge zur digitalen Zivilcourage bzw. der Gegenrede im Internet austauschen, Strategien und unser Vorgehen diskutieren und friedenspädagogische Perspektiven entwickeln.

8) Gewaltfreie Kommunikation- eine Einführung

Im Wesentlichen werden Übungen zum Kommunikationsmodell der Gewaltfreien Kommunikation und seinen Schritten: "Beobachtung – Gefühl – Bedürfnis – Bitte" angeboten. Daneben werden grundlegende Informationen zu Gewaltfreier Kommunikation als Haltung und kommunikative Methode sowie zu deren politischem Kontext und zu ihrer Spiritualität vermittelt; Selbstwertschätzung und Wertschätzung anderer, Liebe, Selbst-Empathie und Empathie sowie Verstehen sind zentrale Stichworte. Dabei wird die besondere Nähe Gewaltfreier Kommunikation zu jüdisch-christlichen und buddhistischen Traditionen, die M. Rosenbergs Spiritualität ausmachten, deutlich gemacht. Auch, aber nicht ausschließlich, spannend für Religionspädagog*innen.

 

Rahmeninformationen-----------------------------------------------------

Zielgruppe:

Der Fachtag richtet sich an Lehrer*innen, Sozialpädagog*
innen, Multiplikator*innen, Studierende
und alle anderen Interessierten.
(Genehmigungsnummer des LISA für Unterrichtende an staatlichen Schulen in Sachsen-Anhalt: WTE 2018-064-39)
Es wird eine Kinderbetreuung angeboten – bitte
melden Sie sich dafür bis Anmeldeschluss bei uns!

Wann?

19. Oktober: Abend mit internationalen Perspektiven
20. Oktober: Workshops, Vernetzung und und und...

 
Wo? in den Räumlichkeiten der Christlichen Akademie
für Gesundheits- und Pflegeberufe Halle,
Fährstraße 6, 06114 Halle (Saale).
Der Tagungsort ist barrierefrei.

Kosten: 30 EUR (regulär), 10 EUR (ermäßigt)
Mittagsimbiss und Tagungsunterlagen sind inklusive

Kontakt:
Netzwerk Friedensbildung Mitteldeutschland
kontakt [at] friedensbildung-mitteldeutschland.de
Tel.: 0345-279 807 10

Anmeldung bitte bis 10.Oktober unter https://www.friedenskreis-halle.de/formular.html
oder per eMail an annette.anacker [at] ekmd.de unter Angabe folgender Daten:
• Name, Anschrift, Dienststelle (u.U. Notwendigkeit von Kinderbetreuung und/oder Ermäßigung)
• Welche Workshops wollen Sie besuchen?
(Erst- und Zweitwunsch jeweils für beide Workshopphasen)

Es gibt die Möglichkeit reservierte Hotelzimmer zu buchen, melden Sie sich dafür bei uns.